Weblog Topics
wm mal anders
Am Karmeliterplatz überträgt die Gratiswochenzeitung „Graz im Bild“ seit Anfang der FIFA-WM kostenlos alle Spiele live. Parallel dazu macht GiB aber auch Werbung für ein WM-Erlebnis der besonderen Art. Unter der Rubrik "Graz bei Nacht" lockt eines der „besten Etablissements der Szene“ mit einer Alternative zum passiven Fußball-Gucken und „Will mehr“ als WM-Motto:
Zeit spart man sich bei dieser „fußballerischen“ Aktivität auch, denn die Halbzeit wurde gekürzt.
Wer auf die FIFA-WM dann doch nicht verzichten will, bekommt bei GiB auch Vorschläge für Bordelle mit Live-Übertragung der WM-Spiele.
Keine Sorge: Genug Prostituierte in Graz

Da hat der Grazer im Bild wieder mal ein Glanzlicht gesetzt und ein schwieriges Thema mit gebotenener Ernsthaftigkeit und Ambition verarbeitet. Mit einigen Wochen Verspätung haben die GiB-Aufdeckerjournalisten das Problem Prostitution bei der Fußball-WM entdeckt. Wer daran zweifelt, dass der GiB sich der Prostitution voller Feingefühl nähert, wird gleich durch die Überschrift eines Besseren belehrt. Das ist kritischer Top-Journalismus und dabei noch politisch völlig korrekt. Immerhin werden jedes Jahr Abertausende Frauen aus dem Osten nach Europa gekarrt, zur Prostitution gezwungen und ausgebeutet. Dieser Tatsache stellt der GiB eine gnadenlos gut recherchierte Geschichte entgegen:
„Ilona (Name geändert) ist 23 Jahre alt, Wahlgrazerin und freut sich riesig auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland“
– weil sie dort nämlich als Prostituierte viel Geld verdienen kann. Man darf davon ausgehen, dass die Wahlgrazerin Ilona eher aus Warschau denn aus Salzburg kommt. Doch der GiB trägt noch dicker auf, wenn er fröhlich verkündet, dass die meisten Prostituierten eh daheim in Graz bleiben, weil sie keine „Connections“ ins WM-Land haben. Highlight der GiB-Ergüsse (im wörtlichen Sinne übrigens) und zugleich Entwarnung für die Freier:
„Ein Engpass unterm Uhrturm ist nicht zu befürchten …“

Grabräuber?
Arnold Schwarzenegger wäre (beinahe) das Opfer einer makabren Erpressung geworden. Das mag man nun Graz(er) im Bild glauben, oder auch nicht. Dass die (mutmaßlichen) Kriminellen aus dem "Osten", genauer gesagt aus Polen kamen, trägt natürlich unglaublich viel zur Information des Lesers bei und zielt sicher nicht darauf ab, Minderheiten zu diffamieren:
![]() |
PS: Erkennen Sie den Herren, dessen Kopf hinter dem "E" in der zweiten Titelzeile versteckt ist? Wir wissen es auch nicht sicher: Ist es etwa der polnische Erpresser?
unsere kleine presseschau
SKANDALÖS. Der steirische FPÖ-Abgeordnete und schlagende Burschenschafter Wolfgang Zanger meinte im gestrigen "Report",
dass es "natürlich" positive Seiten am Nazi-Regime gegeben habe. Die
Sozialistische Jugend hat daraufhin Anzeige gegen Zanger erstattet.
Obwohl seine Partei hinter ihm stehe, wird Zanger nun nicht im Eurofighter-Ausschuss vertreten sein.
Das Interview wird morgen wiederholt (09.11.2006, 12.10 Uhr, 3 sat).
UNPRAKTISCH. Ein halbes Jahr lang durfte die Polizei einen Porsche 911 Carrera testfahren. Jetzt ist Schluss mit 325 PS, das Auto kommt ins Museum. Fazit: der Wagen ist zu teuer und zu klein. Um Autobahnraser oder alkoholisierte Fahrer mitnehmen zu können, musste ein Zweitwagen angefordert werden.
PRAKTISCH. Eine japanische Textilfirma hat einen BH entworfen, der bei Bedarf in eine Einkaufstasche umgewandelt werden kann. Damit soll auf die Umweltschäden aufmerksam gemacht werden, die durch die 30 Milliarden Plastiktüten, die in Japan jährlich verbraucht werden, entstehen.
Haltet eure Geldbörserl fest!
Wenn auf der zweiten Seite einer Gratiszeitschrift, die allwöchentlich in Grazer Haushalte flattert, in großen Lettern "EU macht Tür für Bettler auf" gelesen werden muss, erklärt sich vielleicht das sinkende Vertrauen der Österreicher in die EU. "Graz im Bild" befürchtet "eine neue Lawine" an ausländischen Bettlern und warnt vor einem "Run" auf Graz:
Schlimmer noch als dieser Artikel: er ist in besagtem Medium leider keine Ausnahme.
mursurfer auf Surf-Urlaub bis 16. Oktober
Die Moldau durch Tschechien, der Parana durch Argentinien, die Donau durch Ungarn – die Mur-Geschwister fließen durch die ganze Welt. Ich werde sie entdecken, erobern, ersurfen, und lege darum eine kleine Schreibpause ein.
Am 16. Oktober kehre ich zur Mur zurück. Brisant, vernetzt und pipifein.
Cowabunga und auf ein baldiges Wiederlesen!
euer mursurfer
Zeitung zum Selbermachen
Unter dem Motto "Das gehört in meine Kleine" können Leser ab sofort zum "Kleine-Reporter" werden und per SMS, MMS, E-Mail oder über die Homepage mit der Kleinen-Redaktion in Kontakt treten. Schnappschüsse des Tages (z.B. das Wetterphänomen im Bild), Berichte über außergewöhnliche Begegnungen (mit Prominenten) sind ebenso erwünscht wie die "Story des Tages". Alle Leser-Beiträge werden laut eigenen Angaben gesichtet, nachrecherchiert und möglicherweise in der Kleinen publiziert. Das Zuckerl für den Informanten: Dessen Name wird (Kennzeichen ist ein rotes Rufzeichen!) ebenfalls veröffentlicht.
In anderen Ländern hat sich dieses Konzept bereits bewährt. Spitzenreiter in diesem Metier ist die koreanische Netzzeitung "Ohmy-News", für deren Inhalt rund 41.000 registrierte Leser-Reporter verantwortlich sind – nur mehr 20 Prozent des Contents stammen von professionellen Journalisten.
In ihrer heutigen Ausgabe fleht die "Kleine" auf ihren ersten Seiten: "Lassen Sie uns wissen, was wir nicht wissen!" Ein weiterer Schritt in Richtung Ende des Journalismus oder eine innovative Idee, die in der heimischen Zeitungsbranche Aufsehen erregen wird?
Es wird sich jedenfalls zeigen, ob die Leserbindung durch den "User Generated Content" gestärkt wird oder die Leser eher vergrault werden, sollten ihre Aufdecker-Stories über amoklaufende Maulwürfe oder einen spektakulären Unfall eines Match-Box-Autos in St. Nimmerlein doch nicht erscheinen.
P.S.: Das Fellner-Blatt "Österreich" (Start im September) soll laut Insider-Kreisen ein ähnliches Konzept verfolgen…
jetzt gibt's mehr "GIB"
Wer das Kürzel GIB bisher nur mit der Wochenzeitung "Graz im Bild" in Verbindung gebracht hat, kann nun dazulernen:„Gentlemen in Baroque“, kurz GIB, nennt sich das neue österreichische Hochglanzmagazin, dass sich speziell an die Zielgruppe der homosexuellen Männer richtet.
Das Magazin, dessen erste Ausgabe bereits in den Läden steht, erscheint monatlich mit einer Auflage von 20.000 Stück. Die Themen Mode, Lifestyle, Kultur oder Reisen sollen darin ebenso Platz finden wie Politik und Wirtschaft. GIB selbst spricht von einem Potential an 350.000 neuen Kunden österreichweit. Laut der auf der Website veröffentlichten Studie sollen genau diese besonders kaufkräftig sein. Ob sich die Illustrierte wirklich als rentabel erweist, wird man sehen.
Die erste Ausgabe des Magazins
The Love Boat
Für alle Grazer homo- und heterosexuellen Partygänger findet übrigens am Samstag „The Love Boat“ in der Postgarage statt. Veranstalter sind RoSy, Verein zur Förderung der Kommunikation zwischen Homo- und Heterosexuellen.
22 oder 84?
Heute morgen schreibt Kleine Zeitung Online:
22-Jähriger fuhr auf Fahrbahnteiler auf: tot
(...) Zu einem tödlichen Verkehrsunfall ist es am Montagabend in der Steiermark gekommen. Ein 22-Jähriger aus Karlsdorf bei Graz war in seinem Pkw mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs, als er im Bereich Puntigam aus bisher ungeklärter Ursache auf einen Fahrbahnteiler auffuhr. (...)
Und das lanciert die APA, ein wenig zuvor:
Tödlicher Verkehrsunfall bei Graz
Utl.: 84-Jähriger fuhr auf Fahrbahnteiler auf
Graz (APA) – Zu einem tödlichen Verkehrsunfall ist es am Montagabend in der Steiermark gekommen. Ein 84-Jähriger aus Karlsdorf bei Graz war in seinem Pkw mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs, als er im Bereich Puntigam aus bisher ungeklärter Ursache auf einen Fahrbahnteiler auffuhr. (...)
(Hervohebungen von mursurfer)
Auch der ORF Steiermark berichtet von einem 22-jährigen Unfalllenker. Wer sich bei dieser Geschichte um 62 Jahre verzählt hat, das werden in den kommenden Tagen sicher die Todesanzeigen klären.
nun auch "heute"
Mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren ist die
Gratistageszeitung "Heute" ab Montag mit einer
Mutationsausgabe in Graz präsent. Bei der Präsentation am
Sonntagabend kündigte Herausgeberin und Geschäftsführerin Eva Dichand
eine - im Gegensatz zum aggressiven Stil der regionalen Medien -
positive Blattlinie an, in der die "Helden des Alltags"
hervorgestrichen werden sollen. (APA, via derstandard.at)
Die kleine Welt des Hannes Kartnig
Es war einmal ein Fußballpräsident. Der hieß Kartnig Hannes. Und obwohl es wenige Tage vor der Fußball-WM war, schaffte er es dennoch, Schlagzeilen zu machen.
Unglaublich einfach, wie SK-Sturm-Präsident Hannes Kartnig jüngst wieder die heimischen Fußballnachrichten beherrschte (Mursurfer berichtete). Und das als Boss eines Vereins der in einer der schlechtesten Ligen Europas sportlich gerade recht und finanziell schon eher schlecht über die (Bundesliga-)Runden kommt. Im Verursachen unfreiwilliger Schlagzeilen ist Kartnig jetzt schon Weltmeister.
Um darin auch ein Kaiser zu werden, muss sich Kartnig - wie einst WM-Allrounder und Schwerenöter Beckenbauer Franz - nur noch bei der nächsten Weihnachtsfeier ins Hinterzimmer verzupfen.
Medizin-Uni streicht Stipendien
Während sich die Studenten der FH JOANNEUM über den Erlass der Studiengebühren ab dem Wintersemester 2006/07 freuen können, weht in anderen Fakultäten ein rauer Wind. Die Studenten der Medizinischen Universität Graz, die auch weiterhin Studiengebühren bezahlen müssen, beklagen sich über zu nicht genügend Lehrveranstaltungen und - damit einhergehend - eine unnötige Verlängerung der Studiendauer. Ein junger Grazer verklagte nun, unterstützt von der ÖH, die Universität auf Schadenersatz für fremdverschuldete verlängerte Studienzeiten. Die Reaktion des Vizerektors Gilbert Reibnegger: er fror alle Auslandsstipendien für die Dauer des Prozesses ein. Nun müssen noch mehr Studenten in den sauren Apfel beißen. Zumal der Student als Privatperson geklagt hatte, scheint diese Maßnahme besonders ungerecht. Wer sich trotzdem nicht vom Auslandsaufenthalt abbringen lassen will: für das WS 2006/07 sind noch Erasmus-Restplätze vorhanden.
mutieren bis zum tod
Das Erfolgsgeheimnis der Kleinen Zeitung ist, wie von vielen Seiten stets betont wird, die detaillierte Berichterstattung aus den Regionen und der damit einhergehende Servicecharakter.
Dass es auf der Internetpräsenz der Zeitung sogar eine
Suchmaschine für Todesanzeigen gibt, verwundert da nicht wirklich. Manche mögen
es makaber finden: Falls man beim Kaffee mit Freunden einmal vergessen hat, wann
dieser oder jener den Holzpyjama angezogen hat, genügt eine Recherche in der Online-Datenbank. Das ist Service. Danke, meine Kleine.
Die Anordnung der ersten Bilder beim Öffnen der Todesanzeigen-Suchmaschine weckt Assoziationen an die "Top 8-Friends" bei myspace.
wieder sturm um sturm
Der SK Sturm ist wieder einmal in aller Munde und liefert das Top-Thema des Tages – nicht nur in Graz, sondern bundesweit. Zuerst der Prozess mit Ex-Trainer Osim, dann das Bekanntwerden von Schulden in Millionenhöhe, beinahe der Lizenz-Entzug, die angebliche Wettaffäre, etc. Und zum Drüberstreuen soll der Klub nun auch noch Steuern hinterzogen haben, was heute zu Hausdurchsuchungen in der Sturm-Geschäftsstelle, in Präsident Kartnigs Firma und dessen Luxus-Villa in St. Peter zur Folge hatte. Für die heimischen Medien ein gefundenes Fressen, um die fußballfreie Zeit bis zur Fußball-WM zu überbrücken.
Die Kleine Zeitung Online titelt auf ihrer Startseite in großen Lettern: „Hausdurchsuchung bei SK Sturm“. Offensichtlich hat die Story hat Nachrichtenwert genug, um auch die Hauptseite von orf.at zu zieren: „Hausdurchsuchung bei Kartnig“. Das Internetportal Sport1.at schreibt: „SK Sturm im Visier der Grazer Steuerfahnder.“ Und wie gewohnt reißerisch spricht die Krone von einer „Aktion scharf“.

(Collage: Huber)
Egal, ob etwas Wahres an der Geschichte dran ist oder nicht: Gratulation an die Verantwortlichen – egal ob Staatsanwaltschaft, Finanzbehörde, Politiker, Anti-Sympathisanten des Klubs oder gewichtige Präsidenten –, die es immer wieder schaffen, den SK Sturm Graz medienwirksam in Szene zu setzen....
thomas huber, redakteur
Thomas Huber ist zwar schon 21, seine infantile Neigung, Überraschungseier-Figuren zu sammeln, hat er trotzdem noch nicht abgelegt. Der gebürtige Kapfenberger und stolze Halb-Schweizer ist bekannt für seine (eidgenössische) Gründlichkeit und Gelassenheit. Normalerweise ist Thomas gut gelaunt, als treuer Sturm-Fan derzeit aber schwer gebeutelt. Später möchte „Hubsi“ entweder Sportjournalist werden oder für frischen Wind in der heimischen PR-Branche sorgen. Seine journalistischen (Anti)Vorbilder: „Gonzo“ (Steiermark 1) bzw. Armin Wolf (ORF).
lukas kapeller, redakteur
Der charismatische Wahl-Grazer ist stolzer Koordinator des Ressorts "shark" (Medien). Jung, dynamisch und erfolglos wandelt er auf den Spuren seiner geistigen Ahnen Charles Bukowski, Woody Allen und Dominic Heinzl. An diesen möchte er gemessen werden. Der 21-jährige Kettenraucher und Sportfan gilt vielen Kollegen als launische Diva und ist ob seines Wankelmuts in der Redaktion gefürchtet.
Morgen keine Zeitung?
Auf der Pyhrnautobahn (A9) sind heute früh nach einem LKW-Unfall bei Graz neun Tonnen Druckerschwärze ausgeronnen, berichtet ORF Online. Ob das nächste Woche einen Engpass für Kleine und Krone bedeutet? Oder schlimmer noch: ein jähes Ende des eben erst gestarteten ok?
Plädoyer für ein Ende dieses Journalismus
Waren das noch Zeiten! Ende der neunziger Jahre brachte der vormalige Vizekanzler Erhard Busek den Sammelband „Politik am Gängelband der Medien“ heraus. Selten haben sich Titel und Inhalt – Kurzversion: Die Medien geben das Tempo vor und die Politik hat sich daran zu orientieren – dermaßen gedeckt.
Wie haben sich doch die Zeiten geändert: 2005 bringt der damalige Leiter der Steiermarkredaktion der „Presse“, Ernst Sittinger, eine Abgangsphilippika unter dem Titel „Das Ende des Journalismus“ heraus. Sittingers Schlussfolgerung: Die Politik gibt das Tempo vor, die Medien hecheln hinterher.
Samstag, 13. Mai 2006: Innenministerin Liese Prokop verweist in einem Interview mit der „Tiroler Tageszeitung“ auf „ 45 Prozent“ Muslime in Österreich, die „an einer Integration [nicht] interessiert sind. Da müssen wir aufpassen, dass wir nicht Verhältnisse wie in Frankreich oder in Berlin bekommen.“
Samstag ist vom timing her perfekt. Die meisten Redaktionen sind wochenendbedingt eher spärlich besetz, also perfekt um proaktives Themenmanagement zu betreiben. Wer hat am Wochenende schon Zeit, sich die Studie zu besorgen, die – seltsam – erst im Juni präsentiert werden soll. Wer aber kann es sich leisten, die story nicht zu bringen. Dementsprechend die Tageszeitungen am Sonntag – auch perfekt getimed, denn am Sonntag ist dank der flächendeckend aufgestellten „Klaubeutel“ der Tageszeitungskonsum in Österreich weit über dem wöchentlichen Durchschnitt.
Am Montag referiert Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zur „Lage der Nation“ und – so die „Salzburger Nachrichten“ – spint [sic!]: in „Österreich sei kein Platz für Kinderhochzeiten, Beschneidungen oder Ehrenmorde - derlei müsse ´beinhart verfolgt´ werden, da müsse es ´null Toleranz´ geben.“
Schriebe man ein Lehrbuch zu politischer Kommunikation, an diesem Parademix von perfektem timing und anschließendem spin käme man wohl schwerlich vorbei. In diesem Sinne: Eine römische Eins an die Lichtenfelsgasse 7, die ÖVP-Parteizentrale, in Wien.
Wenn Sittinger wortreich „das Ende des Journalismus“ beklagt, kann man ihm nur Recht geben. Aber: Warum muß der Journalismus am Ende so dämlich sein, eine Studie zu featuren, die abgesehen von der Frau BMI keiner zu Gesicht bekommt. In diesem Sinne ist ein Ende dieses Journalismus wünschenswert.
Heinz P. Wassermann
organisierte bettler
„Wir wollen das Betteln in Graz grundsätzlich abstellen", sagte
kürzlich Thomas Rajakovics, Sprecher von VP-Bürgermeister Siegfried
Nagl, in einem Falter-Artikel. Weiters heißt es, dass der Bürgermeister
„einen Antrag von Gerald Grosz (BZÖ) gerade prüfen“ lasse.
Die Kronen-Zeitung sprang auf den fahrenden Zug auf und machte in
mehreren Artikeln auf „unfassbare Missstände in der 240.000
Einwohnerstadt Graz“ aufmerksam. Auf „organisierte Bettler, Sandler und
pöbelnde Punks“ – kurz „Heerscharen ungebetener Zeitgenossen“. Für die „Krone“ sei es „an der Zeit, dass sich die
Gemeindeväter der wahren Sorgen in der Landeshauptstadt annehmen.“
„Bis
zu elf (organisierte) ausländische Bettler“ seien alleine in der
Herrengasse zu finden.
Ein „dreister“ Fall wurde am 19.05.2006 von der „Krone“ aufgedeckt:
„Eine Bulgarin, die sich in einem laufenden Asylverfahren befindet und
mit 900 Euro monatlich von Stadt und Land unterstützt wird, bessert
sich in der Herrengasse ihr ‚Einkommen’ durch Bettelei auf.“ Für die
„Krone“ kein Einzelfall, denn „kaum wer weiß, dass viele Bettler in
Graz Ausländer und gut organisiert sind.“
niemand muss betteln
Laut wird der Ruf der Zeitung nach mehr Kontrolle: „Wo sind jene Ämter, die sich um Missbrauch kümmern? Werden so nicht die mit Füßen getreten, welche wirklich bettelarm, auf unsere Hilfe angewiesen sind, da sie kaum Unterstützung erhalten?“ „Armut ist keine Schande“, stellt die „Krone“ fest, „Armut vorzutäuschen eine schmutzige, da so jene abgezockt werden, die es gut mit den Armen meinen.“
Für Thomas Rajakovics scheint es überhaupt fraglich zu sein, warum man Bettler in den Grazer Straßen und Gassen findet. "In Graz muss eigentlich niemand betteln", meint der VP-Gemeinderat. „Von Unterkunft über Kleidung und einer warmen Mahlzeit bis hin zur Gesundheitsversorgung bietet die Stadt Graz alles an." Für ihn ist klar: „Wer trotzdem bettelt, übt das als Arbeit aus“.
jagd auf betrüger
BZÖ-Obmann Grosz hat seine eigene Methode gefunden, um die Grazer Missstände aufzudecken. Laut Falter begab er sich mit einer „Handykamera“ auf „Simulantenjagd“. Veröffentlicht wurde das „brisante Material“ von der Gratiszeitung „Graz im Bild“.
Dass für sozial schwächer Gestellte etwas getan werden muss, ist klar. Schlupfhaus und Arche 38 sind Einrichtungen, die Betroffene unterstützen. Eine Hetzjagd auf "Simulanten", generelles Bettelverbot und Aufenthaltsverbot können aber nicht der richtige Weg sein.
Österreich sieht schwarz
Schüssel plaudert im Kaffeehaus. Schüssel spielt Fußball. Schüssel hält eine launige Rede im Wiener Konzerthaus. Und Monika Lindner sitzt als geladener Gast in der zweiten Reihe. Der Einladung der Grünen, die "20 Jahre im Parlament" feierten, wollte die ORF-Generalin hingegen nicht folgen. Jetzt ist sie sauer. Nicht auf Kanzler Schüssel natürlich, sondern auf ZiB2-Sprecher Armin Wolf. Auch der hat eine Rede gehalten – in der Hofburg, bei der Verleihung des Robert Hochner-Preises. Er hat gesagt, was er denkt. Jetzt bekommt er das Lob der Kollegen, die Rüge von oben. Nur gut (für die ORF-Führung), dass ihm Chefredakteur Werner Mück schon vor ein paar Wochen gesagt hat, dass die Sommergespräche "keine Erbpacht" seien. Die wird Wolf nämlich diesmal nicht machen – trotz bester Quoten und Kritiken im Vorjahr. „Mangelnde Solidarität und öffentliche Selbstinszenierung“, warf Lindner indes ihrem Starmoderator vor. Am Montag noch hatte sie Schüssel Beifall geklatscht.






Recent Comments